Die medizinische Lüge.

Niemand kann ihn so richtig wegdiskutieren, den Placebo Effekt. In einem Placebo ist überhaupt kein Wirkstoff drin und es passiert trotzdem was. Kann das sein? Das ist doch keine echte, ernst zu nehmende Wirkung. Scheinbar gibt es Wirkungen erster und zweiter Klasse. Echte logische wissenschaftliche Wirkungen und seltsame Wirkungen, die wir nicht so ganz nachvollziehen können.

Jetzt wirkt laut Placebo Effekt ein Medikament besser, wenn es mit vollster Überzeugung und Zusicherung der Wirksamkeit übergeben wird. “Das wird Ihnen helfen Herr Müller. Damit sind sie ruckzuck wieder auf den Beinen.” Schenke ich dagegen einem Patient reinen Wein ein und sage: “Das wird Ihnen zu 40-80% helfen. So genau kann man das nicht sagen.” Dabei würde ich riskieren, dass ein Teil der Wirkung, der Placebo Wirkung, verloren geht. Bin ich als Apotheker oder Ärztin dadurch nicht eigentlich verpflichtet zum Wohl des Patienten ein bisschen zu flunkern?

Die Antwort von Platon (427-347 v. Chr.) lautet: Ja. Da Worte die Kraft haben Menschen zu heilen, geht die medizinische Lüge in Ordnung. (siehe Wiki Artikel zu Placebo)

Gedanken an eine Wirksamkeit “Ahh, ich bekomme eine Pille, mir wird geholfen.”, also Aktivierungen von Neuronen im Hirn, können über die Regulation des Hormonhaushalts (zum Beispiel Reduktion von Stress-Hormonen) den Stoffwechsel und andere körperliche Reaktionen beeinflussen. Hormone können sogar beeinflussen, welche unserer Gene abgelesen werden und welche nicht: Epigenetik.

Also: Gedanken können offenbar Wirklichkeit schaffen und natürlich kann ich durch Sprache einen anderen Menschen auf bestimmte Gedanken bringen. Das würde bedeuten, dass Gespräche Wirklichkeit schaffen können. Eine besonders wünschenswerte Wirklichkeit wäre ja dann die Heilung.

Also: Ein Hoch auf die einfühlsame ärztliche Anamnese und die fürsorgliche Beratung in der Apotheke. Beides ist ein wichtiger Teil des Heilungsprozesses.