Es müsste mal jemand eine App machen.

Die schwarzen Wolken der Digitalisierung ziehen auf und werden alle etablierten Unternehmen hinwegfegen. Die Transformation wird so schnell geschehen, dass keine Zeit mehr für eine Reaktion auf die Gefahr bleibt. Der Prophet steht auf dem Berg und predigt vom schrecklichen Niedergang der Kodaks und Nokias. Rette sich wer kann! Doch zum Glück gibt es ein helles Licht am Horizont, welches Hoffnung verspricht: “Wir machen eine App.”

Es ist schon ein paar Jahre her, da habe ich für einen Professor eine Webseite gemacht. Es war im Sommer und wir saßen in seinem vollgestellten aber gemütlichen Büro und er erzählte mir in bunten Bildern und schillernden Farben ausschweifend von der Welt und wie alles zusammenhängt. Ich habe ihn gefragt, was er denn mit seiner Website erreichen möchte und welche Inhalte da drauf sollten. Die Antwort hat mich damals erstaunt: Dazu hatte er sich noch keine Gedanken gemacht. Ich solle schonmal anfangen. Die Inhalte würden wir uns später überlegen.

Der Denkfehler in beiden Fällen: Projekte von der Umsetzung her zu denken. Das scheint bei Technologie besonders leicht zu fallen. „Wir brauchen eine Website.” – „Wir machen eine App.” – „Wir führen iPads im Außendienst ein.” – „Wir führen ein CRM ein.“ Mit solchen Projekten machen wir uns selbst zum geknechteten Diener der Technologie. Alles was wir fleißig an einem Projekt planen und abarbeiten, wird dem vermeintlichen Ziel, der technologischen Lösung untergeordnet: Wir brauchen eine Website. Wir brauchen eine App…

These: Wir tun uns wesentlich leichter, wenn wir die Technologie unseren Bedürfnissen unterordnen statt andersrum. Wir sind der Chef! Dazu müssen wir allerdings wissen, was unsere Bedürfnisse sind, in welche Richtung wir segeln möchten. Hier liegt die Challenge. Dabei ist es gleichzeitig eine spannende Reise für die wir unsere Koffer packen, wenn wir mal mit dem Mensch und seinen Bedürfnissen starten. Später in der Umsetzung können dann gerne technische Lösungen gewählt werden, wenn Sie den übergeordneten Zielen dienen.

  • Was sich nicht gut anfühlt: Wir brauchen ein CRM um weiterhin auf dem Stand der Technik Produkte verkaufen zu können.
  • Was sich besser anfühlt: Unsere Produkte helfen unseren Kunden. Was können wir tun, um noch mehr Kunden glücklich zu machen? Hier ist eine potentielle Antwort von vielen: Chaos reduzieren und ein CRM einführen. Aber vielleicht bringt uns auch etwas ganz anderes viel schneller weiter und wir fangen z.B. an Kunden komplett undigital persönlich anzurufen um die Zufriedenheit abzufragen und im selben Atemzug nach Empfehlungen für potentielle Neukunden aus dem Bekanntenkreis zu fragen.

In diesem Sinne: Mach erst die Inhalte fertig und dann kannst Du immer noch entscheiden, ob das ein Buch oder eine App werden soll.