Future Medicine Science Match 2018

85 Speaker in 9 Stunden. Keine parallelen Sessions, nicht auf verschiedene Tage verteilt, sondern alles an einem Tag. Und Zeit für kurze Häppchen-Pausen war auch. Das gibt es nur auf einer ganz speziellen Veranstaltung, die ich vor ein paar Tagen schon zum dritten Mal besuchen durfte: „Science Match: Future Medicine“ in Berlin, organisiert vom Tagesspiegel. Und wie immer war es auch diesmal ein fantastisches Erlebnis. 

Future Medicine Science Match 2018

Hier eine subjektive Zusammenfassung von meinen persönlichen Learnings. Dabei war für mich die Keynote von Dr. Jens Baas (Vorstandsvorsitzender Techniker Krankenkasse) besonders wertvoll.

Dr. Jens Baas (Vorstandsvorsitzender Techniker Krankenkasse)

Wie schaffen wir, dass brillante Ideen auch zu konkretem Nutzen für Patienten führen? Die Antwort: Überwindung von Widerständen bei den verschiedenen Playern im Gesundheitswesen, Überwindung der Angst vor Transparenz. Patienten haben Angst davor, dass die Krankenkasse sieht, ob sie wirklich Sport machen. Ärzte haben Angst davor, dass ihre Diagnosen und Therapieentscheidungen überwacht werden. Pharmaunternehmen haben Angst davor, dass es Live-Daten darüber gibt, wie gut ihre Medikamente im echten Leben außerhalb von kontrollierten Studien performen. Diese Angst vor Transparenz lähmt den Fortschritt in eine Zukunft mit gesunderen Menschen, die länger leben.

Krankenkasse: Wie sollen sich die Krankenkassen für die Zukunft aufstellen, wenn Sie die Zukunft gar nicht kennen? Hier dreimal der Blick in die Glaskugel. 1. Es wird mehr miteinander verknüpfte Daten pro Patient geben. 2. Es wird mehr Tools geben, um diese Daten auszuwerten. 3. Absolut jeder wird ein Gerät bei sich haben, um mit der digitalen Welt zu interagieren.

Patient: Es ist richtig, dass der Patient die volle Kontrolle über seine Daten haben muss. Sprich: Der Patient gewährt Zugang zu seiner Akte oder auch nicht. „Jeder der meine Gesundheitsdaten nutzen will, muss mich vorher fragen.“ Allerdings wird ein Patient, wenn der Nutzen groß genug ist, auch jedem beliebigen Unternehmen aus der freien Wirtschaft Zugang zu seinen Daten gewähren.

Arzt: Wer ist der Experte: Arzt oder Assistenzsystem? In Zukunft wird der Arzt immer ein Assistenzsystem fragen (müssen), bevor er eine Diagnose stellt. Trotzdem ist die Medizin nicht nur Wissenschaft, sondern auch eine Kunst, die von der Intuition und Kreativität des Arztes lebt. Diese menschliche Komponente kann kein Diagnosesystem ersetzen. Die Notwendigkeit für clevere IT Lösungen im Diagnosebereich ist auch darin begründet, dass die Zahl der Patientendaten (Messwerte, Bilder, Diagramme) dramatisch wächst aber nicht die Zahl der Ärzte. Zusätzlich müssen auch immer mehr neue medizinische Erkenntnisse, neue Therapieoptionen und Sonderfälle berücksichtigt werden.

Was bedeutet Digital Health?

eHealth / Digital Health: Hinter diesem Buzzword verstecken sich 1. Diagnostik und Sensoren, 2. Wellness & Fitness, 3. Digitale Therapien. In die Kategorie digitale Therapien fallen Softwarelösungen, die den Therapieverlauf begleiten aber auch Apps, mit denen direkt geheilt wird wie z.B. Nya, die digitale Therapeutin von mindable mit der Angststörungen behandelt werden können.

Eating in 2018 is as smoking in 1956.